Samstag, 5. September 2015

Flüchtlinge

Abgeben. Etwas teilen. Liebe, Zuneigung, Freundlichkeit, Zuwendung - Zeit und Dinge, die bei mir im Keller liegen. Kein Brot fressen, aber auch niemandem dienen.

Ich gebe ab und ich teile. Mit Flüchtlingen.

Ich teile mit denen, die nicht freiwillig ihre Heimat verlassen, weil Hunger, Not und Elend, Krieg oder alles zusammen herrscht.
Würde ich gehen, wenn ich hier mein Kind nicht mehr ernähren könnte? Wenn aber jenseits des Meeres Hoffnung bestünde? Aber natürlich würde ich das.

Erspart mir das Totschlagargument "Aber wir können nicht alle aufnehmen."
Das tun wir nicht, müssen wir auch nicht. Aber um die, die kommen, könnten wir uns kümmern, anstatt sie mit Wut und Hass zu empfangen. Wir könnten sie integrieren und ihnen den Mut und die Hoffnung geben, dass sie irgendwann zurück in ihre Heimat können. Und bis dahin dürfen sie sich bei uns sicher fühlen.
Ich hab keine Angst vor "Überfremdung". Mehr noch, ich weiß noch nicht mal, was das sein soll. Meine Küche ist international, mein Radiosender spielt vorwiegend English, meine Klamotten sind aus Indien, Pakistan und China. Meine Technik - weiß der Geier wo die gemacht wurde.
Woher der Sprit für mein Auto kommt, weiß ich nicht. Aber sicher nicht aus dem Bohrloch um die Ecke. Da blubbert brackiges Wasser. Wasser, was in vielen anderen Ländern fehlt oder von Internationalen Konzernen, die aber weitestgehend in europäischer oder amerikanischer Hand sind, als "privat" deklariert wird und verhindert, das Menschen dieses kostbare Gut zu angemessen Preisen verwenden können.
Wir haben hier Flüchtlinge, die vor dem Krieg fliehen, der mit Hilfe von in Europa produzierten Kriegswaffen geführt wird. Ein Europa, das damit gutes Geld verdient.

Wer sich über Flüchtlinge aufregt und nicht im Stande dazu ist, zu hinterfragen, warum so viele Menschen ihr Heimatland, ihre Sprache und ihre Kultur verlassen müssen, um ihre nackte Existenz zu retten, der hat offenbar noch immer nicht verstanden, das wir Europäer mit unserer Wirtschaftspolitik durchaus etwas damit zu tun haben, wie die Zustände in anderen Ländern sind.

Das ist mein Statement aus Facebook vom 20. Juli diesen Jahres. Mir brennt das Herz, wenn ich mir vorstelle, was für Mühen, Angst und Stress diese flüchtenden Menschen auf sich genommen haben, in der Hoffnung auf ein friedliches Leben.

Wir können helfen. Tun wirs doch einfach.

Sia