Freitag, 7. Februar 2014

Veganes Leben

Ich beschäftige mich derzeit intensiv mit veganer Lebensweise.

Vegan bedeutet, alles Tierische aus seinem "Verbrauchsleben" zu streichen.  Das betrifft das ganze Leben, nicht nur das essen.
Auf der Ernährungsebene wird alles vermieden, was vom Tier kommt. Honig, Milch, Fleisch - nichts mehr. Je mehr man sich damit befasst, um so weniger darf man zu sich nehmen. Wein? Nein. Ist nicht automatisch vegan. Klärprozesse in der Produktion werden mit tierischem Material durchgeführt, also nicht vegan. Essig? Nein. Nicht automatisch vegan, siehe Wein. Senf? Nein, nicht automatisch vegan, siehe Essig. Semmelbrösel? Nur dann vegan, wenn die Grundsubstanz ohne Ei hergestellt wurde. Das Leben wird kompliziert, wenn man sich rein pflanzlich ernähren möchte und auch Produktionsprozesse unter Zuhilfenahme tierischer Produkte ablehnt. Mal eben im Supermarkt ein paar Dinge in den Wagen schmeißen, kann man vergessen. Man muss sehr genau auf das Etikett schauen.
Auf allen anderen Ebenen ist es ähnlich. Vergessen Sie Lederschuhe, Schafwollsocken und Angorapullis. Schmeißen Sie ihre (konventionelle) Kosmetika in den Mülleimer und überlegen Sie, ob das Regal an ihrer Wand aus veganer Herstellung stammen kann. Wer beim Schreiner in bester Absicht ein gutes nachhaltiges Möbel bestellt hat, hat möglicherweise ein Möbel mit Knochenleim im Zimmer stehen - das ist nicht vegan. Taschenbücher übrigens auch nicht. Werden auch mit Leim tierischen Ursprungs verklebt. Bei Hardcovern ist die Verwendung tierischer Produkte auch nicht auszuschließen. Medikamente? Können Sie vergessen. Nicht vegan.
Auto? Na klar gibts Autos ohne Leder. Aber was ist mit Schmierstoffen, die unter der Produktion verwendet wurden? Sind die synthetisch oder tierischen Ursprungs? Das Gleiche gilt für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Sind die vegan? Und vor allem: ist die Nutzung von Erdöl und seinen weiteren Produkten überhaupt vegan? Letztlich sind ne Menge Viecher dafür gestorben ...

Bei allem, was mir an Auswüchsen über veganes Leben im Internet begegnet ist, ist es eine Lebensweise über deren Grundlagen man nachdenken sollte.  Es ist eine Lebensweise, die mit moralisch-ethischen Werten arbeitet, die die Menschheit haben sollte. Es ist abartig und widerwärtig,  wie Massentierhaltung abläuft, das muss man, glaube ich, nicht weiter in Abrede stellen.

In meiner Welt nähere ich mich manchen Dingen über den Kochtopf. Ich probiere gern neue Rezepte aus, unabhängig davon, ob es eine "fundamentalistische" Lebenseinstellung beinhaltet, oder nicht. Zu wissen, dass man leckere Bratlinge mit wenig Aufwand ohne tierische Produkte herstellen kann, ist für mich einfach eine Frage von Vielfalt in der Küche. Ich nenne sie allerdings nicht Frikadellen oder Buletten. Der Hang, mancher veganer Köche, alles "in Fleisch" auszudrücken, nervt mich einfach. Wenn ich vegan esse, dann weiß ich was ich tue. Und brauche keine fleischhaltige Bezeichnung à la "veganes Mett". Mett ist nicht vegan. Punkt.

Meine Entscheidung, nicht vegan zu leben, wird von vielen Dingen beeinflusst. Unter anderem spielt auch die Überlegung eine Rolle, unter welchen Dingen die ganzen Ersatzprodukte hergestellt werden. Sind Schuhe aus Kunstleder eine Umweltsauerei? Ist die Herstellung von Kunstfasern nicht ähnlich wasserfeindlich, wie die Haltung von Nutztieren? Ist die Kinderarbeit in den Baumwollplantagen endlich eingedämmt? Und wie hoch ist der Wasserverbrauch bei diesen endlosen Feldern? Ähnlich, wie bei den Bananenplantagen?
Wenn ich Rezepte sehe, die Kakao, Cashews oder andere, nicht heimische Nussarten betreffen, kann ich diese Dinge zu mir nehmen, ohne Kinderarbeit in den Produktionsländern zu unterstützen?

Letztlich komme ich für mich zu dem Schluss, dass veganes Leben eine Form der Luxus-Ernährung ist. Eine Lebensform, die von Menschen umgesetzt wird, die es sich finanziell leisten können, alles im Bioladen einzukaufen. Ich habe bei all meinen Recherchen keine Hartz IV - Bezieher, Facharbeiter oder Verkäuferinnen mit Kindern gefunden, die sich mit dieser Lebensart identifizieren mochten.
Solange wir für Lebensmittel nicht das bezahlen, was sie letztlich in menschen - und tierwürdigen Produktionen kosten würden, solange ist die Diskussion um die "bessere" Ernährung und Lebensweise eine fruchtlose. Ich werde bleiben was ich bin - aber vielleicht doch noch etwas mehr auf die Nachhaltigkeit meiner Lebensmittel achten.

Herzliche Grüße, Sia

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