Freitag, 31. August 2012

Ich bin eine böse Mutter

Jawoll. Ich gestehe es.

Mein Sohn ist bitterböse mit mir, weil ich es gewagt habe, den DS auszuschalten. Jetzt ist das mühsam erarbeitete Level im Eimer.
Ja. So ist das. Kümmere dich um deine Sachen, mach sie aus (leise), dann musst du dich nicht ärgern, wenn ich es ausschalte, während du in der Schule bist. Oder rede mit mir und sage mir, dass du den Spielstand nicht sichern kannst, und deshalb das DS noch an ist.
Aber Verantwortung für das eigene Handeln (oder Nicht-Handeln) zu übernehmen, ist für einen siebenjährigen noch nicht so einsehbar. Da dann doch lieber der Mama die Schuld geben.

Komisch. Irgendwie bleibt diese "Schuld-Zuweisungs-Mechanik" bei vielen männlichen Wesen bis ins hohe Alter erhalten. Gut, wenn man nicht mehr bei Mama lebt, dann gibt es ja die Freundin, oder die Frau. Hauptsache, es ist jemand im Haus, dem man die Schuld geben kann.

Wie sagte schon Dieter Nuhr: "Schuld sein, das ist Liebe!"

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Donnerstag, 30. August 2012

Stress

Ich habe mir heute ein straffes Programm vorgenommen. Natürlich neben den üblichen Tätigkeiten - stöhnen und schimpfen über SIB II, drei Sätze schreiben und vier davon löschen ... ;-)

Ich muss einkaufen. Das ist meistens Stress, denn es naht sie so langsam wieder, die Zeit, in der Männer im Laden im Weg rumstehen. Letztens war ich bei Aldi. Und wurde von einer Horde Rentner überrannt. Männlicher Rentner. Herrje.
Ich war wirklich geduldig. Aber wenn man das fünfte Mal fast in die Obstkiste geschubst wird, weil der Gang neben einem nicht breit genug für den alten Mann, seinen Wagen und sein übergroßes Ego ist - dann kann einem auch schon mal der Kragen platzen. Mein ironisches "Wirds denn gehen?" Wurde mit einem bösartigen Knurren beantwortet. Ich war kurz davor zurückzubellen. Nach kurzem durchatmen habe ich es gelassen. Der Mann war zwar alt, aber immer noch groß. Und ich hatte (ausnahmsweise!) flache Schuhe an und war entsprechend klein - also ca 8 cm kleiner als sonst ;-)
Manchmal schaffe ich es, eine Situation für einen Bruchteil eines Moments von außen zu betrachten. Hier ist es mir gelungen und ich stellte mir tatsächlich vor, ich hätte gebellt. Gleichzeitig kam mir das innere Bild eines kleinen Rehpinschers, der einen großen Rottweiler angauzt.

Ich musste so lachen. Der alte Mann schüttelte den Kopf und zog von dannen. Und ich hatte trotz Einkaufen einen guten Start in den Tag. Mal sehen, was ich heute beim Einkaufen erlebe. Ich lasse es Sie wissen!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Mittwoch, 29. August 2012

Verpasst

Ich verpasse immer mal wieder wichtige Daten. Einsendeschlüsse, Abgabetermine, Geburtstage. Auch meinen Hochzeitstag vergesse ich regelmäßig. Ich könnte jetzt sagen, ich vergesse ihn nicht, ich verdränge ihn nur ... Nein. So ist es nicht. Aber dieser eine Tag war nicht so wichtig für mich, da habe ich nur rechtlich bekräftigt, was ich mit meinem Mann schon jahrelang gelebt habe. Viel wichtiger war da der Tag, an dem ich unser Kind auf die Welt gedrückt habe.
Vor ein paar Tagen war ich mit Freundinnen unterwegs. Auf dem Weg zu unserer Party sind wir in einen Junggesellinnenabschied (auf englisch: hen night, also "Hühnernacht") geraten. Wir saßen in der U-Bahn und waren tatsächlich wie Hühner auf den Seitenbänken "aufgereit". War sehr lustig. Wir haben der Braut Lose abgekauft. Und natürlich standen Anzüglichkeiten auf den kleinen Zetteln. (Lutschen bis das weiße kommt --- das war ein Riegel Kinderschokolade ...)
Unsere müden Versuche (wir sind schon 10 Jahre weiter ...) die Braut von ihrer geplanten Tat abzuhalten, haben wahrscheinlich nicht gefruchtet. Tja. Chance verpasst ;-)

Es gibt ja Ehen, die sind schon auf dem Standesamt im Arsch. Also Leute, die "Ja" sagen, "Nein" denken und dennoch unterschreiben. Es gibt Leute, die riesige Hochzeiten feiern, mit allem Pomp und Schnick und Schnack. Für diesen Event wird richtig Geld ausgegeben - und dann ist die Beziehung ist ein Jahr später völlig desolat und geht bitterböse auseinander. Und wenn die kurze Ehe kinderlos blieb, dann kann man für alle Beteiligten nur froh sein.

Also, dann vergesse ich doch lieber regelmäßig meinen Hochzeitstag. Schließlich ist nicht so wichtig, was an diesem einen Tag passiert. Viel wichtiger ist, dass man auch die anderen 364 Tage im Jahr, die man miteinander lebt, gut miteinander lebt.
Ich hoffe, die Braut aus der U-Bahn hat "Ja" gesagt, es auch gedacht und vor allem gefühlt. Und wenn es gut ist, dann ging es ihrem Bräutigam genauso.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Dienstag, 28. August 2012

Liebesbeweise

Das Wochenende war hart. Sehr hart, physisch wie psychisch.

Gut, die psychische Komponente bleibt ohne Langzeitwirkung, bei der physischen bin ich mir nicht ganz so sicher. Ich bin derzeit wieder unter Schmerzmitteln, weil mir der Ischias (die Hüfte!) gestern, als eigentlich alles vorbei war und ich mir nur nach der langen Autofahrt andere Schuhe anziehen wollte, da isser mir quer gekommen, der blöde Nerv.

Und jetzt sitze ich hier vor meinem Rechner, versuche mich beim schreiben gerade zu halten und freue mich gleich auf eine warme Dusche. Geschlafen habe ich wie ein Murmeltier - das erste mal seit vier Tagen. Seit Freitag habe ich nämlich sortiert, aufgeräumt, entsorgt und wieder von vorn angefangen. Ich habe vor acht Uhr morgens angefangen und bis abends um zehn geackert. Höchst anstrengend. Und frustrierend, weil es noch immer kein Ende hat. Der nächste Räum-Termin ist schon in Planung.
Das ich so viele Kilometer fahre, um nichts anderes zu tun, als aufzuräumen, ist ein Liebesbeweis.

Genauso, wie ich es als Liebesbeweis empfinde, dass mir mein Mann seit vielen vielen Jahren täglich Kaffee ans Bett bringt. Jeden Morgen, wenn er da ist. Und mein Sohn kommt jeden Morgen zu mir ins Bett gekrabbelt, um noch eine Runde zu schmusen, bevor er in die Schule oder zum Fussball muss.
Das Wochenende war ich nämlich ohne Mann und Kind unterwegs, und ich dachte, ich würde es vielleicht genießen, mal ohne weitere Verpflichtungen zu sein. Kein Nachfragen "Hast du Zähne geputzt?" oder Aufforderungen wie "Jetzt leg das DS mal weg" oder dergleichen.

Aber was soll ich sagen. Ich hab sie vermisst, meine beiden Helden. Nicht nur wegen dem morgendlichen Kaffee und der morgendlichen Schmuseeinheit.

"Liebesbeweise" können so unterschiedlich wie Feuer und Wasser, groß oder klein sein. Aber sie hinterlassen Freude beim so Beschenkten, manchmal mehr, als es ein gekauftes Geschenk je könnte. Weil es von Herzen kommt und nicht ersetzbar ist.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Donnerstag, 23. August 2012

Der nackte Boppes

von Prinz Harry erregt die gelbe Postillenwelt.

Oh! Most shocking!

Ach herrje. Wenn man sich die Bilder anschaut, dann steht da ein Bürschchen, der sich die Hände züchtig vors Gemächt gedrückt und das Gesicht zur Seite gedreht hat. Und auf dem nächsten Bild ist der Knackar*** zu sehen, aber wieder kein Gesicht.
Es könnte sonst wer sein, der da seinen gepflegten Körper präsentiert hat. Es könnte ... aber ich habe genauer geguckt und mir fiel auf dem Foto ein kleiner Punkt auf. Ich habe das Bild runtergeladen und dann habe ich es vergrößert und vergrößert und dann konnte man es plötzlich erkennen:



das ist der Beweis: es muss ein Prinz gewesen sein, anders kann ich mir dieses Tattoo nicht erklären ;-)

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Mittwoch, 22. August 2012

Disko

Ich habe heute morgen in meiner Zeitung einen kurzen Beitrag über einen Mann in der Warteschlange vor einem angesagten Club gelesen. Er musste sehr lange warten.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich lese, wie lange die Schlangen vor bestimmten Clubs sind, und wie man als Besucher dann von Zweifeln geplagt wird, ob man denn dem Türsteher gefällt und eingelassen wird.
Hm.
Ich erinnere mich an meine Diskozeit. Da gabs keine Türsteher. Keine Schlangen. Tür auf, Eintritt bezahlen und rein. Auch bei den angesagten Diskos.
Ja, das nannte man noch "Disko", nicht "Club" und auch nicht "Disse". Man durfte drin rauchen. Alles ;-) und das wurde auch heftig getan. Es war zwar laut, aber man hatte dennoch eine Chance, sich zu unterhalten. Die Preise waren moderat, es gab Softdrinks, Wasser und Bier. Aller andere Schnickschnack war verpönt. Gespielt wurden Charts. Und der DJ war ein Plattenaufleger. Der hat keine merkwürdigen "Scratchversuche" mit den Platten gestartet, das dann als "seine" Musik verkauft und gemeint, er wäre nun ein Künstler.
Ich kann mich erinnern, dass ich einmal in einer anderen Stadt war und eine Ausgehmöglichkeit gesucht habe. Ich kam an einem Laden vorbei, der tatsächlich Türsteher hatte. Und ich habe kurz überlegt, ob ich in diese "Disko" rein möchte. Es gab keine Schlange davor, ich wäre sicher sofort reingelassen worden. Aber ich habe mich gegen den Besuch des Lokals entschieden. Ich hatte schon damals etwas dagegen, als "genehmer" Gast bewertet zu werden.
Vielleicht bin ich altmodisch. Aber wenn ich zum Tanzen ausgehen möchte, bin ich Kunde in einem Club/Disko. Und als Kunde (Gast) entscheide ich, welches Lokal ich besuche.
Aber ich stelle mich nicht stundenlang an, um in eine Kneipe zu kommen, die davon lebt, das überhaupt Gäste kommen. Ich lasse mich nicht vor der Kneipentür "zertifizieren", ob ich gut genug angezogen, ob ich hübsch genug bin, um die anderen Gäste zu erfreuen oder ob ich nach gefüllter Brieftasche aussehe.

Clubs, Diskos und andere Läden, die mich als Gast wollen, müssen auf Türsteher verzichten (oder sie sehr dezent in einer Ecke verstecken). Auf Gesichtskontrolle und Selektion durch Typen, die in schwarzen T-Shirts verpackt aussehen wie in Wurschtepelle gepresst, hab ich einfach keinen Bock.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Dienstag, 21. August 2012

Komische Geräusche

Seit Tagen höre ich nachts komische Geräusche. Keine klar definierten Dinge, so wie Hundegebell, Katzengejammer oder so etwas. Es "kratschelt". Irgendetwas bewegt sich im Umfeld unseres Hauses. Möglicherweise ein Tier, vielleicht aber auch ein Gegenstand oder eine Abdeckung, die sich im Wind bewegt.
Ich kann nicht orten, woher genau die Geräusche kommen. Aber sie sorgen dafür, dass ich mir Gedanken mache und irgendwann über diesen Gedanken einschlafe. Die Folge davon sind Träume. Genauso komisch sind die Träume, wie die Geräusche, die ich höre.
Letzte Woche bin ich in einer dieser merkwürdigen Träume in eine Wohnung eingebrochen. Ich bin übers Dach gekrabbelt und durch ein Gaubenfenster in diese Wohnung (3. Stock schätze ich) eingestiegen.
Nun ist mir grundsätzlich der Gedanke fremd, in andere Wohnungen einzubrechen. Liegt mir nicht so...
Aber es dann noch nichtmal über die normale Wohnungstür zu versuchen, entspricht so gar nicht meinem bevorzugten Handlungsweisen, die eher darauf abzielen, Risiken jeglicher Art zu vermeiden. Und mein Risiko, bei einer Dachwanderung abzustürzen, liegt sicherlich bei 90%. Bei Tageslicht betrachtet, fand ich diese Nummer übers Dach also ziemlich dämlich. Genauso dämlich, wie die Tatsache, dass ich im Anschluss an den Einstieg von den Wohnungseigner überrascht wurde, die gerade zur Tür hereinkamen. Im letzten Moment konnte ich mich unter einem Schreibtisch verstecken. Dort habe ich gehockt, bis die Mieter mit dem Kind im Bad verschwanden und ich die Situation zur Flucht nutzen konnte.
Fragen Sie mich nicht, was ich in dieser Wohnung wollte. Ich weiß es nicht wirklich. Ich wollte keine Wertsachen klauen in dieser Wohnung. Ich suchte nach irgendwelchen Unterlagen. Lange habe ich überlegt, was es gewesen sein könnte. Nachdem aber gestern Abend wieder komische Geräusche durch mein Fenster drangen und die Träume entsprechend komisch waren, weiß ich endlich, worum es bei meinen nächtlichen Einbruchstouren geht:
Um das Manuskript für SIB 2. Auf meinem Rechner ist es nämlich heute Nacht verschwunden. Leider auch auf allen Speichermedien, die ich als Backup nutze. Und außerdem stand ich kurz vor dem Abgabetermin und es mussten nur noch ein paar kleine Änderungen gemacht werden.
Ich hoffe sehr, dass diese komischen Geräusche bald verschwinden. Diese Träume wachsen sich zu Alpträumen aus!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Montag, 20. August 2012

Sommergrippe

Es zeichnete sich schon am Freitag ab. Ich habe noch versucht, mit Alkohol gegen die Eindringlinge zu kämpfen, aber es war zwecklos. Seit Samstag hat mich eine Sommergrippe im Griff.

Das ist blöd. Draußen ist es brüllend heiß, man weiß nicht wohin mit sich vor Hitze und in meinem Kopf ist Nebel.
Immerhin, die Erkältung arbeitet sich hoch. Erst der Hals, dann die Nase, jetzt die Ohren. Gesund schlafen klappt auch nicht. Es ist viel zu warm um nachts gut zu schlafen.
Und dennoch: es ist toll, dass es so schönes Wetter ist. Man braucht nicht viel anziehen, das Leben erscheint leichter und man selbst - nun, die innere Stimmung lebt auch von der Sonne.
Den Kindern wird dieser heiße Teil des Sommers in Erinnerung bleiben. Und später, wenn sie groß sind und es mal wieder einen komplett verregneten Sommer gibt, werden sie sagen: Früher waren die Sommer anders. Wir haben die ganze Zeit draußen verbracht, Wasserschlachten mit Spritzpistolen veranstaltet oder waren am See/im Schwimmbad. Wir haben eiskalte Melone gegessen, Papa hat den ganzen Sommer nur gegrillt und Mama hat Salate gemacht ...
So, oder so ähnlich hört es sich an, wenn man Erwachsene über die früheren Sommer reden hört. Meistens stimmt es ja nicht, wenn man den Wetteraufzeichnungen glauben darf. Aber es erklärt, was bei den Menschen jeden Alters bei diesem Wetter passiert: man lebt einfach intensiver. Auch mit Sommergrippe!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Donnerstag, 16. August 2012

Fingerübungen

Ich bin handwerklich geschickt. Mir fehlt zwar bei manchen Dingen die Kraft, z.B. beim bohren, aber ansonsten kann ich mit verschiedensten Materialien ganz gut umgehen.
Während meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin habe ich mit Metall, Holz, Gips und diversen anderen Materialien gearbeitet. Ich kann flechten, weben, häkeln, nähen, und sogar stricken. Ich habe getöpfert, habe geschweißt, gelötet und gesägt.

Erklären Sie mir, warum ich mir beim eindrehen von Lockenwicklern in die (eigenen) Haare fast die Finger breche. Ich verstehe es nicht!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Mittwoch, 15. August 2012

Automatisierung

Wie hoch ist der Grad der Automatisierung in Ihrem Haushalt?

In meinem steigt er an. Stetig, obwohl ich manches noch immer verweigere.
Aber es hat durchaus etwas für sich, wenn man morgens die für nächtliche Aktivität eingestellte Spülmaschine ausräumen und die gewaschene Wäsche aus der programmierten Waschmaschine nehmen kann.

Als ich Zuwachs von meinem Dampfbesen bekam - der mich noch immer bei jedem Einsatz glücklich macht ;-), da dachte ich, ich wäre weit gekommen. Eine Freundin toppte es und schickte mir postwendend das Foto eines Putzroboters, der sich selbständig durch die Küche arbeitet.
Den neuesten technischen SchnickSchnack in Sachen Haushalt habe ich bei der Haushaltsauflösung neulich geschenkt bekommen. Bisher habe ich mich konsequent geweigert, derartiges zu benutzen. Aber er war geschenkt und ich wollte ihn wenigstens mal ausprobieren, bevor ich mich entscheide, ihn zu entsorgen: Ein Eierkocher!
Was soll ich Ihnen sagen? Ich behalte ihn. Auch wenn ich es nicht geglaubt habe, es ist doch weniger Aufwand, als Eier im Topf zu kochen. Ich muss nicht aufpassen, wann es zu brodeln anfängt. Ich muss nicht auf die Uhr schauen, wie lange die Eier kochen. Und ich verbrauche sehr viel weniger Wasser. Doch, ich bin sehr angetan von dem Teil. Wider Erwarten.
Aber auch wenn ich mich für dieses kleine Gerät begeistern kann - einem Brotbackautomaten verweigere ich mich. Schon aus Prinzip.
Ich bräuchte da eher etwas automatisiertes für die Fenster. Haben Sie eine Idee? Natürlich außer diesen männlich herben Fensterputzern, die in der Werbung den Frauen den Schweiß auf die Stirn treiben. Obwohl.
Ich stelle es mir gerade bildlich vor: Ich sitze am Schreibtisch und arbeite, und hinter mir putzt ein junger Waschbrettbauch mit muskulösen Oberarmen die Fenster. Nein, nein. Das wäre nicht gut. Gar nicht gut.
Ich würde nur schlechte erotische Groschenromane schreiben und die Tastatur wäre vollgesabbert. Und wie ich meinem Mann erklären sollte, wie aus der männlichen Hauptfigur, die bisher Arzt war, plötzlich ein scharfer Fensterputzer wurde, wüsste ich auch nicht.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Dienstag, 14. August 2012

Organspende

Ich bin Organspenderin. Schon seit vielen Jahren trage ich diesen Ausweis in der Brieftasche mit mir herum. Gelegentlich erneuere ich meine Unterschrift darauf, damit nicht jemand anzweifelt, dass ich tatsächlich noch immer hinter dieser Entscheidung stehe, die ich erstmalig Anfang Zwanzig getroffen habe.

Vor drei Tagen habe ich mich bei der DKMS registrieren lassen, der Knochenmarkspenderdatei. Obwohl ich Angst vor Spritzen und Operationen jeglicher Art habe.

Auch mein Mann ist Organspender und im falls unserem Kind etwas zustossen sollte, haben wir auch für diesen Fall eine Organspende nicht ausgeschlossen. Ich empfinde es momentan als ungeheuer tröstlich, mir vorzustellen, dass im Todesfall einer meiner Liebsten ein oder zwei andere Menschen ein Teil meiner Angehörigen weiter im Leben herumtragen.
Es ist ein egoistischer Ansatz. Aber er würde trotzdem anderen helfen.

Den "Organspende-Skandal" halte ich persönlich für einen hochgekochten sommerlichen Presse-Auflauf. Ich stelle nicht in Frage, dass es möglicherweise einen oder mehrere kriminelle Ärzte gab, die finanzielle Vorteile aus den Operationen ziehen konnten. Das das nicht in Ordnung sein kann, steht außer Frage.
Aber was darüber hinaus skandaliert wird, nämlich die Tatsache, dass mehr und mehr Organe Klinik-intern vergeben werden, ist hanebüchen.
Diese Klinik-interne Organvergabe ist keine Vorgehensweise, die in erster Linie darauf abzielt, sich an den Patienten zu bereichern. Insofern ist das auch kein Skandal. Es sind Ärzte vor Ort, die die ihnen anvertrauten Patienten kennen. Und hoffen, ihnen auf diese Art und Weise helfen zu können. Natürlich ist es nicht korrekt, wenn ein Organ kränker deklariert wird. Aber dann stellen sich bitte mal vor, ihr Kind/Partner liegt in der Klinik und der/die Ärztin, die jeden Tag vorbei kommt, mit dem Kind/Partner scherzt, es untersucht und eine (wenn auch nur professionelle) Bindung eingeht, hat die Möglichkeit so zu handeln und tut es. Das ist kein Skandal. Das ist zutiefst menschlich, dass man den Menschen, die man vor Ort kennt und betreut, auch helfen möchte.

Der eigentliche Skandal ist vielmehr, dass es Deutschland nicht schafft, sich in anderen Ländern abzuschauen, wie man vorhandene Organe effektiv "organisieren" kann. Die Spanier haben ein System, bei dem die Intensivpatienten im Hinblick auf Spenden gescannt werden. Das mag dem Einen oder Anderen übel aufstossen. Ich halte es für einen sinnvollen Mechanismus.

Lassen Sie sich von so einem Presse-Sommertheater nicht davon abbringen, Organspender zu werden. Manchmal ist es nämlich nur ein sehr kurzer Weg vom Spender zum Empfänger.

Bis dahin, liebe Grüße, Sia


Montag, 13. August 2012

Nachtrag zu "Langeweile":

Weißrussin Ostaptschuk verliert ihre Goldmedaille wegen Doping.
Zwei Proben der Kugelstoßerin auf das anabole Steroid Methenolon waren positiv.

Tja. Das war die Nummer 1. Weitere werden folgen!

Langeweile

Die sportlichen Highlights dieses Jahr waren ja bisher enorm - langweilig.
Gut, Fußball muss ich da mal rausnehmen, das war die eine oder andere Partie tatsächlich spannend.
Aber meinen Liebling, die Tour de France, aber auch Olympia fand ich unspektakulär. Unspannend. Langweilig. Nichts, was mich wirklich intensivst vor der Glotze hätte festhalten können.

L a n g e w e i l e

Seufz. Was waren das für Zeiten, als sich der gedopte Jan Ulrich mit dem nicht minder gedopten Lance Armstrong in den Bergen die Duelle geliefert hat. Ich habe wie festgenagelt vor dem Fernseher geklebt, wenn ich Zeit hatte. Völlig fasziniert von der Kraft, der Ausdauer und den taktischen Fähigkeiten, mit denen man diese Art Radrennen bestreiten muss, wenn man erfolgreich sein will.
Gut, ich  kenne keinen, der nicht sicher geglaubt hat, dass Lance "etwas" genommen hat. Warum das jahrelang verschwiegen werden konnte - tja.
Im Grunde weiß man es: die Sportfunktionäre sind korrupt. Egal aus welchem Land sie kommen, egal in welcher Funktion sie letztlich tätig sind. Sobald man Geld verdienen kann, werden alle hehren Gedanken zum Sport und dem integrativen Gedanken der Völkerverständigung über dieses Medium zu Schall und Rauch.

Wer welche Spiele wann austragen darf, im Fernsehen oder anderen Medien übertragen darf und wie man sich als Sportler äußern darf - es ist ein ödes Geschäft, dass nur noch vom schnöden Mammon regiert wird.

Ich gebe einigen der aktuell gefeierten Gold-Athleten noch ein bis zwei Jahre, bis sie des Dopings überführt werden und die Medaille aberkannt bekommen. Die Athleten, die jetzt den undankbaren vierten Rang erreicht haben, werden hochgestuft.
Sie haben nichts davon. Kein Jubel, kein Podest und eigentlich nimmt ihre Leistung immer noch niemand zur Kenntnis.

Und in vier Jahren das Gleiche wieder. Ne. Ich habe keine Lust auf Olympia. Schon gar nicht im eigenen Land.
Dann hoffe ich eher auf eine spannendere Tour de France im nächsten Jahr. Und darauf, dass wieder die öffentlichen rechtlichen Sender eine Übertragung des Spektakels erwägen. Was ich dieses Jahr an schwachsinnigen Kommentaren der übertragenden Fernsehsender zu hören bekam, war nämlich nur gedopt zu ertragen ...

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Sonntag, 12. August 2012

Rezension "Ewig dein" von Glattauer

Ich habe in den vergangenen Tagen das Hörbuch von Glattauers "Ewig dein" gehört. Andrea Sawatzkis Stimme hat mich durch das Buch geführt und ich mag ihre Art zu lesen sehr. So hatte ich auch keine Probleme, nach "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen", mir dieses völlig andere Buch anzuhören. Sog-artig hat mich Sawatzkis Stimme durch den Plot gelotst.
Wie es mir gegangen wäre, wenn ich das Buch gelesen hätte? Keine Ahnung. Ich hatte nun auch schon ein paar Vorab-Informationen, ich wusste, dass keine Liebesgeschichte auf mich wartet. Und ich war natürlich auch sehr kritisch (falls Sie nicht wissen warum: hier und hier können Sie nachlesen).

So. Und nun kenne ich das (Hör)Buch also und überlege, wie ich meinen Eindruck in Worte fasse. Liegt es daran, dass ich Psychiatrie kenne? Dass ich Therapie-Erfahrung (aus beiden Perspektiven) habe? Dass ich selber schreibe? Dass meine Protagonisten auch Hannes und Judith heißen? Dass meine Geschichte auch von Stalking handelt? Ich weiß es nicht wirklich. Aber das (Hör)Buch hinterlässt sehr gespaltene Gefühle in mir.

Zunächst einmal fand ich die Protagonistin Judith zu unentschieden. Ich hätte verstanden, wenn sie sich in ihr Schicksal ergibt. Immerhin hat sie die Begegnung schon von Anfang an eher "schicksalhaft" in Kauf genommen, denn mit Macht forciert. Ich hätte auch verstanden, wenn sie sich den Lästling mit dem Brotmesser vom Hals geschafft hätte.
Aber woher sie plötzlich die innere Kraft nehmen sollte, sich so gegen Hannes zu wehren, wie sie es letztlich tat,  hat sich mir nicht logisch erschlossen. Woher konnte sie diese plötzliche Entschiedenheit nehmen? In so einer Lebenssituation hat man keine Kraft für herausragende psychische Leistungen. Besonders dann nicht, wenn man schon einige Zeit unter schweren Psychopharmaka steht, die einen "vernebeln". Noch dazu, wenn man sich dabei nicht an die nachdrücklich empfohlene Dosis des Arztes hält. Das erschien mir nicht glaubhaft.
Außer Judith und ihrer Auszubildenden sind die weiteren Protagonisten eher blass gezeichnet. Es fällt mir sehr schwer, nachzuvollziehen, welchen Punkt Hannes in Judith berührt, dass sich eine derartige Angst in ihr aufbauen konnte. Wo ist der innere Haken bei Judith, den Hannes greifen konnte? Bislang war sie doch eine normale Frau? Denn die Bedrohung als solche, das Stalking durch Hannes, ist nicht konsequent genug aufgebaut. Echtes Stalking geht weit darüber hinaus, als das, was Hannes hier zeigt.

Es sind die Details, die mich massgeblich stören. Ein Psychiater, der sich ständig lieber über seine eigenen Belange und Interessen unterhält? Da hat jemand ein falsches Bild dieser Profession, scheint mir. Judith kann die Namen anderer Patienten lesen? Und die Psychiaterin gibt Auskunft über Diagnosen? Selbst wenn es noch Psychiatrien geben sollte, deren Patientendokumentationen sich nicht im Computer befinden sollten - Das Klinikpersonal achtet ziemlich genau darauf, dass Patientennamen und Diagnosen nicht öffentlich lesbar sind - auch nicht für Mitpatienten. Wie bringt Hannes seine Frauen, sein Familien - und Freunde Engagement und seinen Job zeitlich unter einen Hut?

Die Auflösung finde ich gerade zu unverschämt. Wie ist die Rettung Bella´s vonstatten gegangen? Warum hat die Schwiegermutter plötzlich Judith unterstützt? Warum hat sie geduldet, was ihrer Tochter geschieht? Und was sollte nun mit diesem Brief zum guten Schluss bewiesen werden? Das war mir zu platt. Zu einfach. Zu "jetzt muss ich aber zum Ende kommen". Da fehlen nach meiner Ansicht hundert Seiten, um das Ende logisch und nachvollziehbar ausklingen zu lassen. 

Ich bin dennoch nicht enttäuscht von dem Buch. 
Sagen wir so: die Messlatte meiner Erwartung war nicht sehr hoch. Und wie gesagt, Andrea Sawatzkis Stimme hat für mich einen Sog, dem ich nichts entgegen setzen mag. Ich schreibe eine Kritik auf Amazon. Wieviel Sterne ich vergebe? Keine Ahnung. Maximal drei.


Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Samstag, 11. August 2012

Erbkrankheit?

Heute morgen mussten wir in die Bibliothek um unsere Leihware zurückzugeben.
Wie immer an freien Tagen braucht mein Kind eine Extra-Einladung. Für alles, angefangen beim Zähneputzen bis zum T-Shirt anziehen.

Die Bibliothek macht um zwölf Uhr zu. Wir wollten rechtzeitig und ohne Stress dort sein, damit wir in Ruhe stöbern können. Quälten unser Kind mit: "Jetzt zieh dich doch mal an, wir müssen los!" und "Los jetzt. Schuhe anziehen!"

Yep. Hat er gemacht. Und so sah es dann aus:


Es muss eine Erbkrankheit sein!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Donnerstag, 9. August 2012

Kontrolle

Bisher habe ich morgens nur oberflächlich kontrolliert, ob ich verfleckte, eingerissene oder sonstige Kleidungsmakel habe.
Seit Montag weiß ich, dass ich mehr zu kontrollieren habe:
Fällt Ihnen bei diesem Bild etwas auf?



Nein?
Mir ist auch den ganzen Tag nichts aufgefallen. Den ganzen lieben langen Tag nicht. Erst am späten Nachmittag, da musste ich vor diesen miesen schwarz-gelben Biestern fliehen, die gerade Land und Leute belästigen, da fiel es mir auf. Ich musste zweimal hinsehen. Ooops!
Und dann habe ich einen heftigen Lachanfall gekriegt. Das Schöne ist, auch den Menschen, mit denen ich den ganzen Tag zu tun hatte, ist nichts aufgefallen. Was haben wir gelacht. Also kontrolliere ich jetzt morgens nicht nur die Klamotten, sondern auch immer, ob ich meine Füße rechts und links in den gleichen Schuh gesteckt habe.
Das Komische daran ist, dass ich es ganz versteckt im Hinterkopf gemerkt haben muss. Man weiß genau, irgendetwas stimmt nicht so ganz, aber was es genau ist, da kann man nicht den Finger drauflegen. Das ist so ein ganz kurzer kleiner Moment, der aufblitzt, wenn man etwas automatisiert tut und der einem sagt: Moooment!. Diese zarte Stimme im Hirn wird aber nicht wahrgenommen, wird überlagert durch andere Dinge.
Letztens habe ich das Salz in den Kühlschrank und die Butter in den Gewürzschrank gestellt. Da habe ich auch etwas Zeit gebraucht, um zu kapieren, was gerade falsch war.

Mir ist in der Rückschau bewusst geworden, dass ich beim anziehen der Schuhe ganz kurz gestutzt habe. Aber dann rief mein Kind, Hektik am ersten Morgen nach den Ferien - und schwupps, war die Aktivität des Hirnareals, dass die visuelle Kontrolle der optischen Erscheinung übernommen hat, von der überschwappenden Adrenalinausschüttung anliegender Synapsen ausgebremst. Und so passierts dann.
Und warum fällt mir jetzt plötzlich eine Freundin ein, die ihren Schlüpper vom Vortag aus dem Hosenbein hängen hatte? Tja. Shit happens. Dann doch lieber zwei verschiedene Schuhe ...

Bis dahin, liebe Grüße, Sia


Mittwoch, 8. August 2012

Waldhochseilgarten

Im Urlaub haben wir einen Waldhochseilgarten besucht.

Auf der Suche nach einer kleinen Tour sind wir eher zufällig auf der Taborhöhe (Faak am See in Kärnten) gelandet. Wir waren in "zivil", hatten nicht die richtigen Schuhe für eine Tour im Hochseilgarten an und wollten nicht in Sandalen auf´s Seil. Also sind wir eben nochmal nach Hause gefahren, haben die richtigen Schuhe angezogen und sind zurückgefahren.

Ich hatte im Frühjahr schonmal einen Versuch gestartet, in Höhen zu klettern. In Karls Erdbeerhof gibt es einen kleinen Klettergarten. Ich hatte vier Kinder dabei, die ich durch den Parkour lotsen wollte und das war anstrengend genug.
Beim ersten Kind (meinem!) habe ich noch Blut und Wasser geschwitzt, obwohl wir in gesichertem Haltegurt unterwegs waren. Aber plötzlich auf einem schmalen Steg in etwa 5-6 m Höhe herumzulaufen, während sich unten die Menschen durch den Gang schieben, das war doch gewöhnungsbedürftig. Nach dem Durchgang mit dem 3. Kind war ich routinierter. Aber ich bin nicht auf die höhere Etage gegangen, dass war mir zu unsicher. Die Seile (und die Luft ...) zu dünn und insgesamt alles viiiiel zu hoch ;-)
Mit Kindern vorneweg ging das schon gar nicht, da hätte ich mich erstmal allein durchtasten müssen. Ich war durchgeschwitzt, als ich mit allen Kids durch war. Trotz des Bewusstseins, gut gesichert zu sein, war es eine Überwindung, in dieser Höhe über wackelige Holzbalken zu balancieren. Und bisher habe ich nicht gedacht, dass mir das etwas ausmachen könnte. Weil man ja gesichert ist. Tja. Theorie und Praxis ...

Das war also mein Vorwissen in Sachen "Hochseilgarten". Und nun saß ich im Auto und überlegte. Sollte ich mich trauen? Meine Männer wollten unbedingt da hoch und mein Sohn (der ist grade in der Phase: Männer sind klüger, stärker, besser als Frauen ...) wollte sich über seine angstschissernde Mama amüsieren. Ich habe tatsächlich die Fahrt hin und zurück gebraucht, um mich zu entscheiden.
Und letztlich war es nur ein sehr kleiner mutiger Moment an der Anmeldung, der mir das "Ja, ich komme mit!" in den Mund geschoben hat.

Und dann gings los. Anschnallen, Einführung und eine Proberunde in geringer Höhe. Wenn ich ehrlich bin: mir hätte das gereicht ... Aber für so eine Runde war der Preis definitiv zu hoch. Also habe ich geseufzt und all meinen Mut zusammen genommen.
Was soll ich sagen? Ich habe es geschafft. Die Anforderungen waren deutlich höher, als bei meiner ersten Erfahrung. Allein der Aufstieg über eine Hängeleiter in die Höhe hinauf war schon eine erhöhte Anforderung für mich. Und sich in einen Flying Fox zu hängen und mit Geschwindigkeit vom Baum runterzurauschen, muss man mental auch erstmal schaffen ...
Es gab insgesamt 6 Schwierigkeitsstufen, und ich habe bis zur 3. durchgehalten. Die vierte war definitiv nichts mehr für mich. Zum Leidwesen meines Sohnes auch nicht mehr für ihn, dafür waren seine Beine einfach noch nicht lang genug. Aber mein Mann hat diesen und auch den 6. gemacht. Der war auch für ihn eine kleine Herausforderung.

Was ich nicht wusste, und was mich sehr überrascht hat, war der Zustand meines Körpers am nächsten Tag: ich hatte Muskelkater. Und zwar an Muskeln, die ich schon lange nicht mehr gespürt habe.

Ich liebe Hochseilgarten. Ich werde mir jedesmal wieder vor Angst in die Hose machen, aber letztlich werde ich es wieder tun. Es ist toll, seinen inneren Schweinehund zu bändigen! Versuchen Sie es mal!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia


Dienstag, 7. August 2012

Wenn ich einen Wunsch frei hätte

dann würde ich mir im Moment eine kleine Auszeit wünschen.
Es gäbe zwei Varianten: Entweder gemeinsam mit meinem Mann, oder ich und eine Handvoll nicht anstrengende Freundinnen, die Spaß am wandern haben. Und dann? Ab in die Berge. Es müssten gar nicht die höchsten sein. Aber es wäre schön, wenn man drei oder vier Tage mit eingeschränkter Zivilisation auskommen könnte. Also eine Hüttentour.
Damit fällt mein Mann aus. Der mag keine Hüttentouren. Ich würde es gern mal ausprobieren, weil ich es mir entspannend vorstelle, nicht neu planen zu müssen, sondern eine definierte Route zu haben, für die man eben mehrere Tage braucht. Ich bin eine "Rundweg-Wanderin", ich gehe ungern den gleichen Weg zurück, und eine Mehr-Tages-Tour kommt diesem Wunsch entgegen.
Wenn ich nach draußen schaue und sich ganz langsam ein herbstliches Gefühl in mir breitmacht, weil die Abende schon früher dunkeln und morgens Nebel in der Luft liegt - dann habe ich eine heftige Sehnsucht nach Bergwanderungen. So wie mein Mann und ich sie früher gemacht haben. Ich erinnere mich an (höchst anstrengende) Touren in den Pyrenäen und auf La Palma. Traumhaft. So etwas wünsche ich mir jetzt.
Das Wetter trocken, nicht zu heiß, den Rucksack gepackt und dann los. Das Allgäu würde mir schon reichen. Tagestouren von 5-8 Stunden. Und zwar ohne Kind. Den eigenen Rhythmus laufen zu können, die Gedanken, die in Fluss kommen und die körperliche Anstrengung, die einem letztlich die Entspannung schenkt, gepaart mit dem Gefühl, etwas sportliches für die Figur getan zu haben- das ist ein gutes Erholungsgefühl. Auch das Fluchen unterwegs über die Anstrengung tut gut ...

Ach, ich träume noch ein bisschen. Bevor ich in den Keller gehe, die Wäsche mache und mich mit SIB II rumschlage...

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Montag, 6. August 2012

Recycling

Ich habe mich letztens gefragt, ob die Männer, die an den öffentlichen Recycling-Höfen (Müll-Umladeplätze) arbeiten, eine besondere psychologische  Schulung bekommen. Als ich neulich den Müll aus der Haushaltsräumung entsorgen musste, besuchte ich die Müllumladestation (so heißt der Recyclinghof dort) in Marburg/L.
Mein Auto, ein Kombi, war voll bis unter die Dachreling. Von vorne bis hinten. Ich passte gerade noch rein, aber das wars dann.
Die Männer, die am Eingang des Hofes standen, blickten mit geschultem Auge in das Auto und fragten, was ich drin habe.
Ich seufzte:"Haushaltsmüll."
Der Blick des Mannes, der mich bediente, wurde sofort mitfühlend. Mit weicher Stimme erklärte er mir, wo ich hinfahren müsse und ausladen darf. Mehrere Nachfragen meinerseits beantwortete er geduldig. Und meinen ängstlichen Blick bei meiner Anfrage hinsichtlich der Kosten beruhigte er mit: "Ach, da nehm wa ma 12 Euro fürs ganze Auto, junge Frau!"
Nicht nur das mich der günstige Preis unendlich beruhigte, auch der kleine Nachschlag "junge Frau" machte den Tag erfolgreich.
Und der mitfühlende Blick, der mich zur Kasse begleitete, sagte aus:
"Ich weiß, Wohnungen ausmisten tut weh. Körperlich ist es anstrengend, aber auch seelisch erschöpfend. Bei jedem Ding, dass man in die Hand nimmt, muss man entscheiden, ob man es aufheben, verschenken, verkaufen oder wegwerfen sollte. Und dann, nach diesem ganzen Räum-Stress steht man vor einem unglaublichen Haufen Müllsäcke und weiß nicht, wohin damit."
Ich fühlte mich gut aufgehoben, bei diesem Müllmann. In Ludwigsfelde auf dem Recyclinghof ging es mit übrigens genauso. Es ist, als ob einen diese Männer wirklich verstehen. Hat man selten, oder?
Wenn Sie also einen Männertausch anstreben, versuchen Sie es doch mal mit einem Müllmann!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

P.S. Wenn Sie sich fragen, wie ich auf das Thema komme: immer wenn ich aus dem Familienurlaub komme, habe ich Ausmist-Tendenzen der verschärften Art. Gestern regnete es hier. Und ich bekam einen Müllsack in die Hände. 
Demnächst werde ich mal wieder in Ludwigsfelde vorbeischauen ...

Sonntag, 5. August 2012

Ich hab Hüfte!

Leider.

Vor drei bis vier Jahren habe ich mich anderthalb Jahre mit Schmerzen in der Hüfte herumgequält. Und Schmerzmittel gefuttert, bis zum abwinken.

Dann hörte ich von einem Orthopäden am Potsdamer Platz (Praxis Steigerwald) rief dort an und bat um einen Termin.  Ein paar Tage später humpelte ich in die Praxis und staunte.

Ich war pünktlich, das bin ich bei Arztterminen eigentlich immer. Aber erstaunlicherweise war mein Arzt war auch pünktlich, und das kenne ich gar nicht! Ich hatte mich gerade hingesetzt, da konnte ich schon wieder aufstehen und ins Sprechzimmer gehen. Und drei Minuten (ich schwöre!) später war der Arzt im Zimmer. Ich musste "Schau-laufen", dann durfte ich mich auf eine Liege legen und der Dr. Steigerwald legte Hand an. Er drückte kurz ein bisschen an mir rum und das wars dann. Es war ein blockierter Lendenwirbel.

Von einer Verbesserung habe ich erstmal nichts gespürt. Ich humpelte mehr oder weniger genauso aus der Praxis, wie ich reinkam. Der Arzt hatte gesagt, es könnte etwas dauern, bis die Beschwerden abklingen, aber wenn es innerhalb einer Woche nicht besser wäre, sollte ich noch mal kommen.

Was soll ich sagen? Es wurde besser. Täglich. Nach zwei Wochen konnte ich mich an die Schmerzen nicht mehr erinnern.
Dieser enorme Behandlungserfolg hielt an bis vor etwa einer Woche. Seitdem schlucke ich Schmerzmittel, mal mehr mal weniger. Erst dachte ich, das ist eine kurze Verspannung, die geht wieder weg. Aber jetzt stelle ich fest: es bleibt. Meine ganze linke Seite ist mittlerweile schmerzhaft verspannt. (Vermutlich die Folgen unkontrollierter Aufräumwut vor zwei Wochen ...)

Morgen ist Montag. Ich werde in der Praxis anrufen und um einen Termin bitten. Bis dahin hoffe ich, dass der Orthopäde mit den heilenden Händen nicht im Urlaub ist. Und wenn ich ne Stunde im Wartezimmer sitzen und auf ihn warten muss, so ist mir das auch egal. Hauptsache, er drückt wieder an mir rum...

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Freitag, 3. August 2012

In kleinen Schritten

nähere ich mich wieder dem Alltag, der uns nach Urlaub und anderen "Schlunzzeiten" am Montag, mit Beginn der Schule, ereilt.

Es ist kurz nach acht, Kind ist wach, obwohl die Lichter in seinem Zimmer erst nach zehn ausgingen. Ich sitze wach, gewaschen und angezogen vor dem Rechner und schreibe. Gut, "wach" ist eine relative Aussage.
Sagen wir so: ich bin so wach, wie ich nach einer Tasse Kaffee maximal sein kann.
Mein Kind ist (ohne Kaffee) so wach, wie nach der Einnahme von einem Tablettröhrchen voller Extacy.

Warum ist das so? Wo holen Kinder diese Energie schon am "frühen" Morgen her? Vor allem mein Kind, wo es doch so schlecht ißt.
Und warum ist diese Energie im gleichen Moment verpufft, wenn es darum geht, in die Schule zu gehen?

Das sind alltags-philosophischen Fragen, die mich heute begleiten. Neben den anderen alltäglichen Dingen, wie einkaufen, aufräumen und diesem Scheiß.

Scheiß. Hm. Aber auch Scheiß hat einen Wert. Fragen Sie mal einen Mistkäfer!

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Donnerstag, 2. August 2012

Ach, Frau Schröder! (2)

Sie nutzen die Sommerpause, oder?

Nicht nur dieses unsägliche Ansinnen ihres Ministeriums, dass Jugendliche ab 20.00 Uhr Ausgehverbot bekommen sollen - wegen des Alkoholmissbrauchs, der natürlich nur in den Abendstunden stattfindet - Nein. Sie nutzen die Sommerzeit auch, um eine interne Standortbestimmung zu machen, nicht wahr?
Demokratie? Nur zu Ihrer Information, die Demokratie bedeutet auch, mit Andersdenkenden in einen Diskurs zu gehen. Sich auseinandersetzen mit abweichenden Haltungen. Ich zitiere mal aus Wikipedia:

"Demokratie sollte als organischer Prozess verstanden werden, der in der Öffentlichkeit stattfindet und dadurch eine pluralistische Meinungsbildung nährt. Zusammen mit dem damit zwingend einhergehenden Schutz von Grundrechten (etwa Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit) soll eine Eigendynamik zustande kommen und organisierte Interessengruppen entstehen, die Einfluss auf die Politik nehmen können."

Aber damit haben Sie es offensichtlich nicht so, gell, Frau Schröder? Also mit der pluralistischen Meinungsbildung. Jedenfalls nicht im eigenen Haus, wie es aussieht. Ist ja auch unbequem. So eine gestandene Frau wie Frau Welskop-Deffaa, die noch von der Vorgängerin ins Amt gehieft wurde, auszuhalten.
Besser vernetzt soll sie sein. Beliebter sowieso. Und eine hohe fachliche Kompetenz wird ihr nachgesagt. Blöd, wenn die Abteilungsleitung eines Ressorts innerhalb des Ministeriums ein höheres Ansehen genießt, als die Ministerin.

Liegt hier der wahre Kündigungsgrund? Oder hat Frau Welskop-Deffaa eine eigene Meinung geäußert zu diesem unsäglichen Kita-Fern-halte-Gesetz? Oder der Frauenquote?
Und mit der Öffentlichkeit hat es die Frau Ministerin offensichtlich auch nicht so. Denn warum die Abteilungsleiterin gefeuert wurde, möchte man nicht sagen. Würde wahrscheinlich auch nur unschöne Diskussionen geben. Man beruft sich einfach auf den Paragraf 54. Das ist eine außerordentliche Kündigung. Und laut Veröffentlichungen unterschiedlicher Presseorgane wurde auch Frau Welskop-Deffaa von der Entlassung überrascht.

Chapeau, Frau Schröder! Da ist Ihnen ein Sommercoup gelungen!

Wer hat nur dieses kleine Mädel in dieses Amt geschubst? Aus lauter Angst vor Konkurrenz im eigenen Haus wird da eine Beamtin mit 53 Jahren mal eben in den Ruhestand versetzt. Und Frau Schröder tut alles dafür, dass man weder sie, noch ihr Ministerium als irgendwie Richtungsweisend wahrnimmt. Es gibt keine wirklich neuen Impulse. Nur heiße gequirlte Luft und jede Menge Nonsens-Vorschläge, die kein normaler Mensch gutheißen kann.

Ach Frau Schröder. Still-Amnesie kann man Ihnen auch nicht mehr zugute halten.

Ich habe mal überlegt, wann wir das letzte Mal eine Familienministerin hatten, die so wenig Respekt vor ihrem Amt hat.
Ach ja. Mir fallen zwei ein: Angela Merkel (1991-1994) und Claudia Nolte (1994-1998)

Bis dahin, liebe Grüße, Sia

Mittwoch, 1. August 2012

Justizia

Manchmal frage ich mich, ob die Damen und Herren der Justiz im gleichen Universum leben wie ich, oder ob es da eine Parallelwelt gibt - in der die Justiz aber quer parkt ...

Als Exil-Hessin lese ich gern Nachrichten aus meiner alten Heimat. Vorzugsweise  lese ich die öffentlich-rechtlichen Nachrichten aus der Region.
Gestern habe ich nun gelesen, dass ein Gemeindepfarrer zu einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt wurde, der Kinderpornografisches Bildmaterial besitzt (immerhin über 800! Dateien) und getauscht hat.
Wir reden von einem Pfarrer, einem "Seelsorger", der mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Jedes Jahr eine Konfirmandenfreizeit macht und dort mit den Konfirmanden christliches Leben lebt. Begründet hat er seine Sammelleidenschaft mit beruflicher Überlastung und Stress.

Hallo Justizia. Parallel-Universum? Was ist das denn für eine Begründung für solche Taten? Das ist eine so beschissene Ausrede, allein dafür sollte der Mann schon eine fünfstellige Geldstrafe bekommen.

Bewährung ist so gut wie straffrei.

Die betroffenen Kinder haben lebenslänglich. Missbraucht, getauscht und gebrandmarkt fürs Leben.

Warum gibt es Bewährung für diesen Straftatbestand? Kinderpornografie ist mies. Es ist mies und kommt direkt hinter körperlichem Missbrauch.

Es gibt keinen Grund, hier irgendjemandem Bewährung zuzugestehen. Gar keinen. So einfach ist das.
Alle wissen, welche fürchterlichen Folgen Missbrauch hat. Alle wissen, dass es erheblicher krimineller Energie bedarf, um an kinderpornografisches Material zu kommen. Und dann wird ein solches Vergehen mit Bewährung geandet?
Ich könnte kotzen.

Pfui, Justizia. Pfui. Pfui.